Diffuse Beschwerden richtig deuten
Das Thema Verdauung ist für viele Menschen immer noch tabu. Dennoch: Der Darm ist ein Multitalent, beherbergt rund 70 Prozent unserer Abwehrzellen und gilt als Sitz der Gesundheit. Er arbeitet rund um die Uhr und leistet dabei viel mehr als nur Verdauungsarbeit. Bewusst wahrnehmen tun wir ihn aber erst, wenn er plötzlich auf sich aufmerksam macht, etwa mit Grummeln und Gluckern, Zwicken oder Drücken.
Hier kommt die Energie
Etwa 30 000 Kilo feste Nahrung und rund 50 000 Liter Flüssigkeit durchwandern im Laufe eines Lebens den muskulösen Verdauungstrakt. Magen und Darm durchmischen den Speisebrei mit Verdauungssäften und kneten ihn gründlich. Enzym-Cocktails spalten Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate so lange, bis daraus kleine Energielieferanten geworden sind. Darmwandzellen nehmen die Nährstoffe auf und reichen sie an Blut und Lymphflüssigkeit weiter. Am Ende der bis zu neun Meter langen Passage werden schließlich nur unverdauliche Bestandteile und Zellreste ausgeschieden.
Kein Wunder, dass dieses komplexe System leicht aus dem Gleichgewicht gerät. Bauchweh, Blähungen, Völlegefühl und Durchfall sind die häufigsten Signale, dass etwas mit dem Darm nicht in Ordnung ist. Treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, steckt dahinter oft einfach eine Darmverstimmung, ausgelöst durch Stress, einen Infekt oder falscher Nahrung. Doch viele Menschen leiden regelmäßig – ohne den Grund dafür zu kennen. Foto: MEV
Jeder Vierte ist betroffen
Nicht selten steckt hinter den diffusen Beschwerden eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Aktuellen Schätzungen zufolge leidet jeder Vierte hierzulande an der sogenannten Laktose-Intoleranz, die schon ein Latte macchiato oder ein Schokoladeneis auslösen kann.
Hintergrund: Um den in Milchprodukten natürlich enthaltenen Milchzucker – die Laktose – im Darm problemlos verarbeiten zu können, benötigen wir das Enzym Laktase. Es spaltet den Milchzucker in seine Bestandteile Glukose und Galaktose auf. Liegt eine Intoleranz vor, wird zu wenig oder gar keine Laktase im Dünndarm produziert. Unangenehme Folge: Der Milchzucker bleibt im Darm, bindet Wasser und verursacht Durchfall. Darmbakterien vergären den ungespaltenen Zucker, Gase entstehen.
Laktose einfach meiden
Leider bleibt eine Laktose-Intoleranz oft lange unentdeckt. Entweder wird die Unverträglichkeit nicht erkannt oder die Betroffenen leiden still, meinen, mit den Einschränkungen leben zu müssen. Tatsächlich ist die Unverträglichkeit leicht zu diagnostizieren und gut zu behandeln, wenn man weiß wie. Käse, Pudding, Eiscreme und Butter – ein genereller Verzicht auf schmackhafte Milchprodukte ist meist gar nicht erforderlich. Inzwischen gibt es im Handel laktosefreie Milchprodukte. Sie enthalten das Beste der Milch, allerdings keinen Milchzucker.
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