Hilfe vom Staat – große Unternehmen bekommen sie, kleine sind auf sich gestellt
Was läuft in Deutschland eigentlich schief?
Gerät ein Welt-Konzern wie Opel durch falsche Manager-Entscheidungen in die Schieflage, steht die Kanzlerin mit einem Scheck vor der Tür. Kommen Selbstständige oder kleine Unternehmen ins Trudeln, klingelt der Gerichtsvollzieher. Da hilft dann auch der Staat nicht mehr. Ungerecht sei das, sagen über 70 Prozent aller Befragten in einer aktuellen Umfrage. Wenn Hilfe vom Staat, dann für alle.
Ist Opel erst der Anfang? Seit der Rettungsplan für den Autobauer in Kraft trat, stehen Großunternehmen, die Milliarden aus der Steuerkasse wollen, in Berlin Schlange. Arcandor (u. a. Karstadt, Quelle), Porsche, Infineon oder Schaeffler sind nur einige von ihnen. Gratis-Hilfe vom Staat? Davon können kleine und mittlere Unternehmen nur träumen, wie unsere Beispiele zeigen:
„Wir können nicht mehr lange durchhalten“
Acht Monate Kurzarbeit, 40 entlassene Mitarbeiter. „Seit der Wirtschaftskrise kämpfen wir mit aller Macht gegen das Aus“, sagt Rolf Krupezki (61), Geschäftsführer des Allgäuer Maschinenbauers „Otto-Martin“, der 2007 noch einen Umsatz von 27,4 Millionen Euro machte. Das Unternehmen, das Holzbearbeitungsmaschinen für den professio-nellen Bereich (z. B. Schreinereien) herstellt, hat kaum noch Aufträge. „Unsere Händler können sich neue Fräsen, Sägen und Hobel nicht leisten. Sie werden die alten oft selbst nicht los!“
Staatshilfe bekommt der Betrieb, der über 100 Mitarbeiter beschäftigt, keine. „Den Großen will der Staat helfen, uns kleinen nicht. Hilfe würden wir nur erhalten, wenn unsere Hausbank zehn Prozent des Kredits übernimmt“, sagt Krupezki. Wegen unserer mageren Bilanz ist ihr das Risiko zu hoch.“ Krupezki schüttelt den Kopf. Natürlich sind die Bilanzen im Moment schlecht, darum braucht seine Firma ja den Kredit! „Unsere Leute arbeiten hart und sind ungemein fleißig“, sagt der 61-Jährige. Aber gegen die Wirtschaftskrise können auch sie nichts ausrichten. „Doch nach jeder Krise kommt ein Neuanfang“, meint Krupezki. „Damit unsere Firma diesen aber noch erlebt, brauchen wir dringend einen Kredit!“ Foto: privat
„Wofür schufte ich eigentlich jeden Tag?“
Zimmermädchen Silke Engel (31) arbeitet jeden Werktag sieben Stunden lang – aber ihr Netto-Monatsverdienst liegt nur bei ca. 370 Euro. Silkes Stundenlohn schwankt zwischen 2,71 und 3,56 Euro. „Je nachdem, wie viele Zimmer ich schaffe! Das ist nichts. Wofür schufte ich jeden Tag?“
Eigentlich stünde ihr der Mindestlohn für Reinigungskräfte zu: 6,58 Euro. Ihr Chef sieht das anders, behauptet einfach, Zimmermädchen erledigten hauptsächlich Servicearbeiten – und da gibt es keinen Mindestlohn …
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Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Kita-Streik: Angemessene Löhne für qualifizierte Arbeit!
Dagmar Schorsch-Brandt, stellvertretende Landesbezirksleiterin ver.di in Baden Württemberg (Foto: privat)
- Warum streiken die Erzieherinnen? „Sie fordern kleinere Kita-Gruppen oder mehr Personal. Parallel dazu fordern sie für ihre qualifizierte Arbeit angemessene Löhne. Je nach Beschäftigungsdauer beträgt der Bruttoverdienst bei Vollzeitarbeit zwischen 2 130 und 2 457 Euro. Die Erzieherinnen fordern zwischen 2 237 und 3 424 Euro – das sind immer noch rund 1 000 Euro weniger, als eine Grundschullehrerin verdient. Und die Anforderungen an Erzieherinnen sind höher denn je: Sprachförderung oder die Arbeit nach Bildungsplänen sind heute in jeder Kita Pflicht.“
- Gibt es eine Notversorgung für die Kinder? „Eine Notfallversorgung für Kinder gibt es nur in Städten, in denen fast alle Erzieherinnen streiken. Das ist aber nicht die Regel. Sehr selten sind alle Kitas geschlossen.“
Staatshilfe ist keine Garantie für langfristigen Erfolg
- Philipp Holzmann, der ehemals größte deutsche Baukonzern, ist bis heute das bekannteste Beispiel dafür, dass es nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein muss, wenn der Staat Finanzspritzen an angeschlagene Unternehmen verteilt. Holzmann stand im Herbst 1999 vor der Pleite. Fehler des Managements hatten zu einer Verschuldung von mehr als 4,5 Milliarden Euro geführt.
- Die Staatshilfe kam prompt. Bundeskanzler Gerhard Schröder machte Holzmann zur „Chefsache“ und stellte Bundesbürgschaften von knapp 140 Millionen Euro bereit. Die Zukunft der 30 000 Beschäftigten bei Holzmann schien gesichert.
- Es war nur eine scheinbare Rettung. Im März 2002 kam das endgültige Aus, Holzmann musste in Insolvenz gehen. Insgesamt verloren seit 1999 mehr als 28 000 Holzmann-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.
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Ich finde, dass sehr Vieles schief läuft:
- der Service: man muss ständig alles selbst machen, muss ständig hinterher telefonieren, hinter her sein, damit etwas ordentlich läuft oder man seine Regressansprüche geltend machen kann, weil oft die Qualität der Produkte zu wünschen übrig lässt (ein Punkt, dem eigentlich vorgewirkt werden könnte) = für beide Seiten unbequem: für den Kunden, der Ordentliches für sein gutes Geld verlangt; für den Anbieter, weil er Nacharbeiten muss = weitere Arbeitskräfte und Kosten => kurzfristiges Denken
- viele, die in den oberen Etagen sitzen, sind in den entsprechenden Berufsbereichen / Unternehmen nicht mehr ausgebildet. Sie haben irgend etwas studiert und kommen dann in ein Unternehmen + Struktur, von dem sie keine Ahnung haben - woher auch?! Viele haben nicht mal eine kaufmännische Erfahrung / Ausbildung, die man m. E. ganz dringend braucht, um ein Unternehmen ordentlich führen zu können.
Es werden Arbeitskräfte eingespart und andere sollen das mitmachen. Nur, dass diese von dem völlig anderen Arbeitsgebiet nicht so viel Erfahrung und dafür Zeit haben, wie jemand, der darin ausgebildet ist / Erfahrung hat, das wird leider oft nicht gesehen = Hohe Kosten fallen an (nur weil ein Arbeitnehmer wegfällt, spart man nicht automatisch, wenn damit seine Kontakte und sein Können wegfällt) hohe Arbeitszeiten und spätere Arbeitskraft-Ausfälle auf Grund von totaler Überarbeitung fallen an etc.
=> Viele denken einfach extrem kurzfristig statt längerfristig!
- Umdenken / Meinungen anderer werden oft nicht bzw. viel zu spät in Erwägung gezogen. Ähnlich wie Punkt zuvor: wollen manche alles selbst machen / entscheiden, anstatt Leute ran zu lassen, die was davon verstehen / Erfahrungen haben
=> wieder nur kurzfristiges Denken
- Warum müssen alle Gewinne in den Börsengang fließen? Warum wird nicht für evtl. schlechte Zeiten ein Unternehmenspolster geschaffen - ähnlich wie man es auch im Privathaushalt tut....
24. Juni 2009 - 12:08=> wieder nur kurzfristiges Denken
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