Interview mit der Ortenauer Selbsthilfegruppe

Leben mit Laktose-Intoleranz

Von redaktion 26. Februar 2009 - 9:48
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Gemeinsam stark! Ricarda und Marianne Bönisch aus dem badischen Offenburg sind von der Milchzuckerunverträglichkeit betroffen. Um andere an Ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen, gründete das Mutter-Tochter-Team die Ortenauer Selbsthilfegruppe „Laktose-Intoleranz/Milchzuckerunverträglichkeit Offenburg”. Lisa.de sprach mit den beiden Experten über Symptome, Formen von Laktoseintoleranz und den Alltag mit der Krankheit.

Wie haben Sie festgestellt, dass Sie von Laktose-Intoleranz betroffen sind?
Ricarda & Marianne Bönisch: Als sich vermehrt unangenehme Symptome von Laktose-Intoleranz nach dem Milch-Verzehr bemerkbar gemacht haben – Bauchschmerzen, Blähbauch, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, etc. Außerdem sind noch atypische Beschwerden hinzugekommen, wie Mangelerscheinungen, Infektanfälligkeit, Gelenkschmerzen, Erschöpfungszustände und chronische Müdigkeit. Wenn die Symptome nicht rechtzeitig erkannt werden können starke Blähungen und ständige Verstopfungen auch psychische Beschwerden mit sich bringen.

Welche Typen von Laktose-Intoleranz gibt es?
Die Laktoseintoleranz wird derzeit in drei verschiedene Formen bzw. Typen unterteilt:
1. Primärer Lactasemangel: Bei der erblich bedingten primären Laktoseintoleranz nimmt die Laktoseproduktion des Körpers extrem ab. Am Häufigsten treten die Symptome einer Laktoseintoleranz in der Regel erstmalig im Kleinkindalter oder ab dem 20. Lebensjahr auf. Wichtig: Es ist normal, dass im Laufe unseres Lebens die Lactaseproduktion abnimmt, weswegen in der Regel Senioren eine deutlich geringere Menge an laktosehaltigen Milchprodukten vertragen.
2. Sekundärer Lactasemangel: Die sekundären Formen der Laktoseintoleranz (eigentlich Laktose-Malabsorbtion) entstehen aufgrund von anderen Faktoren und Erkrankungen, welche die Oberfläche des Dünndarmepithels geschädigt haben und dadurch keine Laktase ausgeschüttet werden kann z.B. bei Darminfekten oder nach Antibiotikabehandlungen.
3. Kongenitaler Lactasemangel: Es gibt aber noch eine sehr seltene erblich bedingte primäre Laktoseintoleranz, die kongenitale Laktoseintoleranz. Bei dieser erblich bedingten, primären Laktoseintoleranz fehlt das spaltende Enzym Lactase von Geburt an völlig, wodurch es beim Säugling zu lebensbedrohlichen Zuständen kommt.

Bei der Laktose-Intoleranz sind drei Schweregrade zu unterscheiden, welche Menge Laktose verstoffwechselt wird oder gar nicht:

Schweregrad Milchzucker-Verträglichkeit(g) pro Tag
Leicht 8-10 g (entsprich ein Glas Milch)
mittel bis 1 g
schwer ohne (hier lösen bereits Medikamente Beschwerden aus)


Wie verändert sich das Ess-Verhalten mit Laktose-Intoleranz?

Mit Laktose-Intoleranz muss man immer auf die Inhaltsstoffe achten. D. h. es ist notwendig, die Deklaration der Inhaltsstoffe auf den Nahrungsmitteln zu „studieren” bzw. Informationen über Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln einzuholen. Bei Laktose-Intoleranz muss auch auf den Calciumhaushalt geachtet werden, sodass die weiteren Folge-Erkrankungen wie Osteoporose (Knochenschwund) nicht eintreten können. Dieses gleicht man mit Sesam, calciumhaltigem Mineralwasser und Gemüse wie Broccoli aus.


Wieso haben Sie die Ortenauer Selbsthilfegruppe „Laktose-Intoleranz/Milchzuckerunverträglichkeit Offenburg”
gegründet?
Weil wir durch die eigene Betroffenheit eine jahrelange Odyssee in der Medizin durchlebten. Mit der Selbsthilfegruppe für Laktose-Intoleranz sowie andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Histamin-, Fruktose- und Gluten-Intoleranz) können wir anderen Betroffenen mit unseren Erfahrungen weiterhelfen. Meist erkennt man auch die Notwendigkeit einer solchen Selbsthilfegruppe an unseren Erfahrungsaustauschabenden bei denen Interessierte, Angehörige sowie Betroffene auf der Suche nach Informationen sind.


Was sind Ihre persönlichen Tipps für einen Restaurant-Besuch mit Laktose-Intoleranz?
In der Regel ist es wichtig mit dem Koch reden, welche Gerichte keine Laktose enthalten. Falls der Koch keine Auskunft darüber geben kann, müssen notgedrungen Enzympräparate entsprechend dosiert zum Gericht eingenommen werden. Allerdings ist dies nicht für den täglichen Gebrauch zu empfehlen.


Was sind Ihre besten Tipps, für Betroffene?

• Lebensmittel aus Reformhäusern und Bioläden enthalten in der Regel Volldeklarationen bzw. den Hinweis: laktosefrei bzw. milchfrei.
• Außerdem ist das Verkaufspersonal - vor allem in Reformhäusern - in der Regel geschult und kann Sie bei Bedarf beraten. Im Zweifelsfall besteht außerdem die Möglichkeit, direkt beim Hersteller nachzufragen.
• In asiatischen Restaurants (z.B. China-, Japanrestaurants), in denen nach Originalrezepten gekocht wird, wird üblicherweise auf den Zusatz von Milchzucker oder anderen Milchprodukten verzichtet, denn die meisten Asiaten haben selbst Probleme mit der Milchzucker-Unverträglichkeit.
• Ernährungstagebuch führen (einige Tage lang)
• Der Kontakt zu anderen Betroffenen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, kann beim Umgang mit der Krankheit helfen.


Lesen Sie auch:

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